Erfahrungsberichte Work and Travel
Linda’s Sozialeinsatz in Sambia
October 1, 2012
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Die Republik Sambia liegt in Herzen Afrikas und ist für die unglaubliche Artenvielfalt und die Herzlichkeit der Menschen bekannt. Sambia bietet Reisenden ausserdem einige der weltweit besten Safari Möglichkeiten, einen Einblick in das “wahre Afrika” und die Victoria Fälle, ein wahres Naturwundern und UNESCO-Weltkulturerbe. Linda war im Sozialeinsatz in Sambia und hat sich im Bereich Gesundheit engagiert. Hier könnt ihr lesen, was sie alles erlebt hat:

Auf ins Ungewisse

„Ich heisse Linda und habe mich entscheiden, drei Wochen Sozialeinsatz in einem Medical Project in Sambia zu leisten, um mir Praxiserfahrung aneignen zu können. Die Reise nach Livingstone klappte hervorragend und ich wurde von African Impact am Flughafen abgeholt. Die Unterkunft war einwandfrei, sehr sauber und bestens geeignet für eine Horde Volontäre (ca. 20 Stück). Der erste Tag am Projekt war der Schlimmste, da bereits eine funktionierende Gruppe besteht, man niemanden kennt und keine Ahnung hat wo was zu finden ist. Es dauerte auch einen Moment, bis ich mir alle Namen der Organisationen und der Volontäre merken konnte. Doch jeder der am Projekt arbeitet hatte mal wie ich angefangen und so findet man schnell Anschluss an die Gruppe, so als hätte man schon immer dazugehört.

Unterwegs in medizinischer Mission

Am Vormittag war ich jeweils in medizinischer Mission unterwegs. Meistens arbeitet man zu zweit auf einem Projekt, entweder in einer Klinik, auf home based care (Hausbesuch) oder im Altersheim. Aufgrund meiner Vorkenntnisse wurde ich in den Kliniken eingesetzt und auf Hausbesuch geschickt. In der Libuyu Clinic wurde ich zum Beispiel angefragt, ob ich die gynäkologischen Untersuchungen der Mütter durchführen möchte, die gerade frisch ein Baby zur Welt gebracht hatten. Dazu gehörten die Untersuchung der Lympen, der Durchblutung, der Brüste, die Kontrolle der Laktation und es musste überprüft werden, ob sich der Uterus entsprechend des Geburtstermins zurück gebildet hatte. Auch habe ich die Kinder geimpft und der Libuyu Klinik gezeigt, wie man eine Spritze in ein Baby einführt, ohne dass man dabei die Arm- oder Beinknochen verletzt.

Einmal in der Woche werden in den verschiedenen Distrikten um Liviningstone die Babys gewogen. Dann kommen die Mütter mit ihren Babys zu den Kliniken und wir mussten die Babys wiegen und das Gewicht in einer Kontrollkarte registrieren. Gleichzeitig kontrollierten wir auch, ob die Babys alle Impfungen gemäss Zeitplan erhalten hatten. Zur Arbeit im Spital gehörten auch die administrative Patientenaufnahme und die Grunduntersuchung der Patienten.

Zu Fuss auf Hausbesuch

Auf home based care (Hausbesuche) werden Patienten vorgestellt, die entweder sehr krank sind und den Weg zur Klinik nicht mehr aus eigener Kraft schaffen oder man hat Notfälle. Meistens muss man dabei zu Fuss sehr weite Strecken zurücklegen und es kann durchaus sein, dass man eine Stunde laufen muss um den nächsten Patienten zu erreichen. Dabei wird man jedoch immer von einem local care giver des Dorfes begleitet, der weiss wo die Patienten wohnen und als Übersetzer tätig ist. Vom Leprakranken Mann bis zur HIV positiven Mutter bekommt man hier (leider) alles zu sehen. Man kommt nicht nur mit den Menschen in Kontakt, man kommt auch deren Kultur und deren Leben sehr nahe und lernt den Spagat zu machen zwischen „helfen wollten“ und „akzeptieren“.

Es gab unzählige Tage, da fühlte ich mich einfach gut. Das Lächeln einer 90 jährigen Frau, der ich helfen konnte machte mich unglaublich glücklich oder auch wenn man jemandem zu spüren gibt, dass es sich durchaus lohnt die Hoffnung nicht aufzugeben. Die Dankbarkeit die die Menschen einem entgegenbringen ist nicht in Worte zu fassen – selbst wenn man jemandem nur ein Medikament gegen Kopfschmerzen in die Hand drückt.

Vielfältige soziale Projekte – in den Schulen, im Altersheim und auf der Farm

Am Nachmittag waren wir jeweils auf allgemein sozialen Projekten eingeteilt. Zum Beispiel beim „After School“ Projekt, bei dem es darum ging die Kinder von den Müllbergen zu holen und sinnvoll zu beschäftigen und mit ihnen einen Nachmittag lang auf dem Schulhof zu spielen. Beim „Art Club“ bastelte man mit den Kindern und im

„Reading Club“ gab man den Schülern Nachhilfe im Lesen und Schreiben. Wenn man beim „Farming“ Projekt eingeteilt war, musste man auf der nahegelegenen Farm helfen die Pflanzen zu bewässern, Unkraut zu jäten und zu sähen. Das Wasser für die Bewässerung wird jeweils, ganz urban, am nächsten Wasserloch geholt und von Hand zu den Beeten getragen – ein ganzer Nachmittag lang bei 40°C. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, im Altersheim Zeit mit den Menschen der älteren Generationen zu verbringen und zum Beispiel mit diesen Bingo und Memory zu spielen.

HIV Schulung im Staatsgefängnis

Ich hatte die Ehre und durfte im Staatsgefängnis von Livingstone eine HIV/AIDS Schulung durchführen. Mit Plakaten, Bildern und Zeichnungen klärte ich die Gefangen über Sex, sexuelle Kontakte in verschiedenen Gruppen, Homosexualität, Übertragungsmöglichkeiten von Krankheiten (im speziellen von HIV) auf. Diese Aufgabe war eine der Eindrücklichsten überhaupt, denn man bekommt zu spüren, wie wenig die Menschen dort über HIV wissen und wie dankbar sie sind, wenn man das Wissen zu ihnen trägt und sie mit einfachsten Mitteln schult. Man steht in direktem Kontakt mit den Gefangenen und begegnet ihnen auf derselben Augenhöhe – es interessierte mich nicht warum sie im Gefängnis waren.

Ein paar ernste Worte an alle „Urlauber“ und „Partyliebhaber“

Die Zambier sind alle sehr freundlich, doch man sollte unbedingt die Anstandsregeln (bedeckte Schultern und Shorts bis über die Knie) beachten. Wenn man sich dieser Kleiderordnung fügt sehen einem „alle“ Türen offen und man kommt mit Gewalt nicht in Kontakt. Allerdings hatten wir einige Volontäre die die Sache eher als Ferien betrachteten und sich nicht an die Vorschriften hielten. So war es kein Wunder das praktisch alle die die Kleiderregel nicht beachtet hatten ausgeraubt oder überfallen wurden. Man kann auch nicht bis 4 Uhr morgens Party machen und um 8 Uhr den ersten Patienten medizinisch versorgen wollen. Ich musste zum Beispiel einem Patienten zwei kleine Umfangsvermehrungen im Gesicht operativ entfernen, das geht aber nur wenn man einen klaren Kopf hat, denn in Sambia kenn man keine Anästhesie.

Am Wochenende auf Safari und zu den Victoriafällen

An den Wochenenden hatten wir jeweils frei. Es bietet sich an die Victoria Fälle zu besuchen (15-20 Taximinuten vom Volontär Haus entfernt). Dort gibt es den Victoria Falls Nationalpark, man kann Bungee Jumpen bei einer atemberaubenden Kulisse und auch die Devils Pools auf der Kippe der Fälle sind sehr empfehlenswert. Allerdings muss man sehr gut schwimmen können, denn man durchquert den Zambezi River und der hatte eine ziemlich starke Strömung. Es besteht die Möglichkeit auf Walking Safari zu gehen und den Tieren ausgesprochen nahe zu kommen, man kann nach Botswana in den Chobe Nationalpark und dann gibt es noch zwei drei lokale Märkte die auch sehr zu empfehlen sind.

Der erste und der letzte Tag sind die schlimmsten. Denn so ungern man ankommt und sich dabei fragt: „habe ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen, alleine hierhin nach Sambia zu kommen“. Genau so ungern verlässt man das Projekt auch wieder. Man hat so viele neue Freunde gefunden – sehr gute und enge Freunde die einem halfen die zum Teil schlimmen Schicksale der Patienten zu verarbeiten. Der letzte Tag war schlimm, ich wollte einfach nicht abreisen. Die Menschen, die Arbeit und natürlich meine Volontärfreunde waren mir in der kurzen Zeit enorm ans Herz gewachsen. Wenn man möchte und bereit dafür ist, bekommt man sehr viel Verantwortung übertragen – denn es geht in armen Ländern wie Sambia jeden Tag um Leben und Tod.

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