Erfahrungsberichte Italienisch Sprachaufenthalt
Sprachaufenthalt in Venedig Teil 2 – “Carnevale ist Carnevale – Das kann man nur hier in Venedig erleben”
April 11, 2011
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Der 2. Teil von Guido’s erfrischenden  Erzählungen an der Sprachschule in Venedig:

Die Toursiten kommen!

Hier beim Sprachaufenthalt in Venedig wird es nun langsam Frühling. Die Sonne scheint mir bereits um 07.00 Uhr aufs Kopfkissen und es ist schon wärmer. Erste Sonnenbäder auf dem Bänkli im Giardini oder am Strand an der Adria habe ich bereits genossen. Natürlich immer begleitet vom Italienischbuch…

Mit den wärmeren Tagen und dem Carnevale kommen nun wieder Unmengen von Touristen in die Stadt. Sie wälzen sich vom Bahnhof via Rialto zu San Marco. Dann werden die Gassen eng. Man wird getrieben oder kommt nicht vorwärts. Amerikanische Liebespaare, kettenrauchende Moldawier, bleiche Asiatinnen mit weissen Handschuhen, Mundschutz und Sonnenschirm oder rundliche Russinnen, welche ihr Picknick laut gestikulierend lieber an die Möwen und Tauben verfüttern. Sie stehen immer genau da, wo du hindurch musst! Viele Einheimische weichen diesem Rummel aus und bleiben dem Carnevale fern.

Carnevale!

Carnevale ist keine Fasnacht, Carnevale ist Carnevale Das kann man nur hier in Venedig erleben. Sabina und ich haben uns in die Menge gestürzt und viel erlebt.

Es sind die Touristen, die den Carnevale beleben. Hört man genau hin, wird unter der Maske deutsch, englisch oder französisch gesprochen. Ohne die „Ausländer“ gäbe es wohl nicht so einen Reichtum an Masken. In den einheimischen Opernhäusern werden ausgediente Kostüme gekauft und hier in Venedig „ausgeführt“! Diese Leute kommen schon seit Jahren immer wieder zum Carnevale hierher und unterscheiden sich optisch nicht mehr von den echten Venezianern. Sie flanieren, posieren in vornehmer Art und Weise. Sie lassen sich mit oder ohne „Tourist“ geduldige fotografieren. Ihr Masken-Lächeln bleibt immer das gleiche! Abends trifft man sie auch noch im „la Fenice“ in der Oper.

Am Aschermittwoch war in der Zeitung zu lesen, ein neuer Rekord, eine Million Touristen und 40 Millionen Euro Umsatz hat der Carnevale der Stadt gebracht!

In dieser Zeit stehen alle die Leute im Vaporetto draussen und ringen um den besten Platz für das beste Foto. In den lokalen Bars, wo wir jeweils unsere Cicchetti oder Tramezzini mit einem Ombra „unter uns“ geniessen, wird es ebenfalls eng und man teilt sich den Platz mit Damen mit weit ausragenden Roben und vornehmen Herren. Venedig ist ein Spektakel mit internationalem Publikum!

Die italienische Küche – eine wahre Gaumenfreude

Nebst dem Auge wird in der Carnevalszeit auch dem Gaumen etwas geboten:

So gibt es traditionelle Spezialitäten wie Fritelle Veneziana, natur oder gefüllt mit Zabaione, Raffioli Veneziani dolci, ähnlich unsern Fasnachts-Chüechli. Sündhaft gut! Wer davon gekostet hat, will mehr und versteht den Ausspruch: „Das schlimmste Laster der Venezianer ist die Schlemmerei“!

Nun, wenn wir gerade dabei sind, ich liebe die „Küche“ der Serenissima. Wir leben hier am und mit dem Meer. Das Angebot an Fisch und Gemüse ist riesig und das Einkaufen auf dem Rialtomarkt ein Genuss. Natürlich gehört auch ein Spritz oder Ombra mit feinen, kleinen Häppchen dazu! Ich habe schon Einiges in einer der Osterias probiert oder selber „a casa mia“ zubereitet. Immer war ich aufs Neue begeistert von der mediterranen Küche! Geflügel und Fleisch, vor allem aber das schwimmende Angebot hat es mir angetan. Weitere Spezialitäten sind Risotto und Polenta, Carciofo und Radicchio di Treviso. Die werden als 1° Piatti oder Beilage serviert. Auch meine Gäste habe ich überzeugen können, dass Spaghetti con seppie nero ein Genuss sind. Man muss sich nur auf „die Farbe“ einlassen wollen!

Dass es im Veneto, hier kommt ursprünglich der Prosecco her, auch hervorragende Weine gibt, muss nicht speziell erwähnt werden. Soave, Pinot Grigio zum Fisch oder Apéro, Bardolino, Refosco, Valpollicella oder Amarone zum Essen, davon steht hier täglich etwas auf dem Tisch. Und woher kommt ursprünglich der Grappa? Aus dem Veneto!

Natürlich gehört der caffè zu Italien. Aber hier ist caffè nicht einfach caffè, Espresso wie wir sagen! Man wählt zwischen, cappuccino, caffè latte, caffè macchiato, caffè liscio, -ristretto, -lungo, -doppio oder caffè coretto con grappa.

KKK – Kultur, Küche & Kirche

K K K – Kultur, Küche, Kirche, das ist für mich hier in Venedig die Reihenfolge! Kultur und Küche habe ich behandelt, also bleibt noch Kirche. Über 130 Kirchen stehen auf den verschiedenen Inseln in der Lagune von Venedig. Nicht alle werden noch als Kirche genutzt. Einzelne sind einfach geschlossen, aus anderen sind Museen oder Konzertsäle geworden. Die Mehrheit aber wird noch als sakraler Raum genutzt und es finden reglemässig Gottesdienste statt. Hier lebt eine andere Gottesdienstkultur.

In der Basilika San Marco, hier ist die „Regierung“ zu Hause, Kardinal Angelo Scola, Patriarch von Venedig, geht es natürlich „gesittet“ zu.

In der Frari-Kirche, eine der eindrücklichsten in Venedig, meiner Lieblingskirche, ist es sehr lebendig. Ein Franziskanerpater steht der Pfarrei vor. Die Kirchenlieder, 4-5 Gitarristen begleiten den Gesang, werden von einer Klosterschwester vorgesungen. Sie könnte auch am Festival in San Remo auftreten. Da geht die Post ab und Jung und Alt machen mit. Bei einer Taufe zum Beispiel, hebt der Pfarrer die Täuflinge nach der Zeremonie in die Höhe und alle klatschen. Beim Pater noster ruft der Pfarrer die Kinder zu einem Kreis um den Altar, das Volk hält sich die Hände, auch über die Gänge hinweg. Beim Friedensgruss ist ein Geläuf in der Kirche. Da bleibt auch der Pfarrer nicht am Altar stehen, nein er geht durch die Bänke und schüttelt Hände, Hände, Hände. Für mich eine völlig neue Erfahrung von Gottesdienst, nicht schlecht.

Am 8. Mai kommt Papst Benedetto XVI nach Venedig. In Italien wird der Papst sehr geschätzt. Man findet sein Foto hier nicht selten in einer Bäckerei oder Osteria! Venedig ist stolz, dass er zu Besuch kommt. Natürlich wird dafür fleissig gebetet und gesammelt.

Ab Juni ist auch für mich wieder Alltag auf dem Festland, mit Gartenarbeit und all den andern Vergnügungen, die mir mein Zuhause in Seuzach bieten. Bis dahin werde ich aber noch den Frühling mit all seinen Reizen voll geniessen.

Natürlich wird dann ein Stück meiner Seele hier bleiben und das finde ich gut so!

Cari saluti e ci vediamo

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Larissa Muggli

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